Geschichte Villmars
 

 

 

 

 

 

 

Kurzer Überblick über die Geschichte Villmars

 

Die Gemeinde Villmar/Lahn besteht aus den 1970/71 zusammengeschlossenen Orten Aumenau, Falkenbach, Langhecke, Seelbach, Villmar und Weyer, die bereits vor über 1200 Jahren im frühen Mittelalter einen eigenen Verwaltungsbezirk im fränkischen Königreich bildeten, der zunächst von den Gaugrafen von Diez verwaltet wurde und 1366 in verkleinerter Gestalt als "Zent Aumenau" an die Herren von Runkel fiel, und der bis zur endgültigen Herauslösung des Fleckens Villmar und der Siedlung Langhecke aus dem Zentverband im Jahre 1596 Bestand hatte. Seit dem Jahre 1816 entwickelten sich die sechs Ortschaften als Glieder des herzoglich-nassauischen Gerichts-, Verwaltungs- und Schulaufsichtsamtes Runkel wieder aufeinander zu.

 

Villmar, dessen Königshof "Vilimar" im Jahre 1053 von Kaiser Heinrich III. dem Kloster St. Euchar-Matthias in Trier geschenkt wurde, erhielt im Jahre 1346 durch Vermittlung des Trierer Erzbischofs Baldewin Stadtrechte von Kaiser Karl IV. verliehen, welcher Schenkung die Klostergrund- und Vogteiherren die praktische Ausnutzung versagten, so dass Villmar weiterhin lediglich als ein mit Burg, Mauerring und Wehrtürmen versehener Marktflecken bestehen blieb. Während zunächst die Landeshoheit über den Ortsbering im Jahre 1565 aus der Hand der Villmarer Vögte in die der Kurfürsten von Trier überging, fiel auch die Hoheit über die gesamte Villmarer Gemarkung im Jahre 1596 an Trier. Dagegen blieb das Benediktinerkloster St. Euchar-Matthias bis 1803 Grundherr von Villmar.

 

Im Jahre 1806 vereinigte sich das politische Schicksal Villmars wieder mit dem der übrigen heutigen Ortsteile. Es blieb bis 1866 beim Herzogtum Nassau in dessen Amt Runkel, bis 1918 beim Königreich Preußen in dessen Oberlahnkreis, bis 1946 beim Land Preußen und gehört seitdem zum Bundesland Hessen, in dessen 1974 gebildeten Landkreis Limburg-Weilburg.

 

Die besondere wirtschaftliche Bedeutung des Fleckens Villmar ergibt sich aus der hier seit dem 16. Jhd. nachweislich betriebenen Marmorverarbeitung von zunächst 12 bodenständigen, besonders farbigen Schmucksteinsorten, wovon die kath. Pfarrkirche von 1746 schöne ältere Probestücke bewahrt. Bereits für das frühe 17. Jhd. läßt sich im Villmarer Wald "Lange Hecke" auch Silbergewinnung aus der Grube "Altemann" nachweisen, wovon Villmarer Ausbeutetaler des 17. und 18. Jhds. beredt bis heute Kunde geben. Der Betrieb der ältesten bekannten Villmarer Eisensteingrube "Gottesgabe" reicht weit ins Mittelalter zurück. Seit 1970 ist Villmar Verwaltungssitz, Schulhauptort und Geschäftszentrum der neugebildeten Großgemeinde Villmar.

 

2003 feierte Villmar sein 950jähriges Bestehen, mit vielen Veranstaltungen über das gesamte Jahr.

 

Aumenau wird erstmals um 764 n. Chr. als "Amana" schriftlich erwähnt und ist ab dem 14. Jhd. bis ins 18. Jhd. Hauptort des Gerichtsverwaltungsbezirks "Zent Aumenau". Es gewinnt im 19. Jhd. große Bedeutung als Verladestation für in eigenen und umliegenden Gruben gewonnenen Eisen-, Kalk- und Schieferstein. Zwei Erzhäfen an der Lahn sowie zwei Bahnverladestationen wurden eingerichtet, deren Frachtkapazität die aller anderen Stationen an der Lahnstrecke überstieg. Während der Erzversandbetrieb 1970 völlig erlosch, steigt seitdem ständig der Wohnwert von Aumenaus Südhanglage.

 

Seelbach: In der Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1053, mit der Kaiser Heinrich III. seinen Hof Villmar samt der dazugehörigen Kirche und sonstigem Zubehör der Abtei St. Eucharias in Trier schenkte, wird "Selebach" durch einen späteren Nachtrag der Abtei erstmals erwähnt. Diese Einfügung gibt jedoch nicht den Rechtszustand, sondern lediglich den Besitzanspruch der Abtei wieder.

 

In einer auf das Jahr 1154 datierten Urkunde erkennt Erzbischof Hillin von Trier den Besitzanspruch an. Weil in einer Urkunde von 1154 auch das Trierer Domkapitel seine Zustimmung zu diesem Rechtsgeschäft gab, kann das Jahr 1154 It. Hess. Hauptstaatsarchiv als erste urkundliche Erwähnung Seelbachs angenommen werden. Seelbach, erstmals als "Selebach" und später auch als "Salbach" erwähnt, entstand aus einem bedeutenden fränkischen Herrenhof. Obwohl in der Nacht vom 29. auf den 30. August 1873 fast völlig abgebrannt, blieb es bis ins 20. Jahrhundert ein wohlhabendes Bauerndorf mit einem drei Dörfer (Aumenau und Falkenbach) umfassenden Kirchspiel.

 

Falkenbach, das zuerst im Jahre 1292 als "Valkinbach" schriftlich erwähnt wird, unterscheidet sich wenig in seiner soziologischen Geschichtsstruktur vom Nachbarort Aumenau als einem Bergarbeiter- und Bauerndorf. Seine romantische Höhenrandlage über der Lahn in Nähe der ehemaligen Raubritterburg "Neuelkerhausen" beim Hof Schwartenberg und nahe der Fürfurter Lahnschleuse bietet alle Vorzüge eines ruhigen Wohn- und Erholungsgebietes.

 

Langhecke, zuerst um 1380 als Waldname "Langinheckin" erwähnt, entwickelte sich alsbald zu einer bedeutenden Bergarbeitersiedlung infolge der dort gefundenen Silber-, Eisen- und Schiefervorkommen, wovonheute noch mehrere Zeugenbauten künden. Nachdem sich Langhecke im Jahre 1838 von der damaligen Gemeinde Villmar löste, schwang es sich zum Exporteur des wetterfesten Dachschiefers in Deutschland auf. Schon Goethe und Schinderhannes

schätzten gleichermaßen die Annehmlichkeiten des versteckten Bergbau- und Waldortes, der heute mehr denn je von Touristen aufgesucht wird.

 

Weyer, das 790 n. Chr. erstmals als "Villare" in einer Schenkungsurkunde Kaiser Karls des Großen genannt wird, löste sich allmählich wie die übrigen Ortsteile, außer Langhecke, im Zuge der evangelischen Kirchenreformation vom Flecken Villmar. Steinzeitfunde, ein ansehnliches vorchristliches Gräberfeld sowie der romanische Turm der Weyerer Wehrkirche weisen auf ein hohes Alter der Siedlung hin. Die Anlagen der Silbergrube "Altehoffnung", zahlreiche Eisensteingrubenverbaue sowie zwei prächtige Kirchentafeln weisen auf bedeutende Bergbautradition hin.

 

Der Ortsteil Weyer feierte vom 1.6. - 4.6.1990 sein 1200jähriges Bestehen und wurde gerade in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen aufgenommen.

 

 

 

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Zeitzeugnisse der ersten Erwähnung Villmars
in der Trierer Abtei St. Matthias

Von Lydia Aumüller

Im August 2003 steht für Villmar die 950-Jahrfeier anläßlich seiner ersten urkundlichen Erwähnung an. Zu diesem Ereignis haben die Verantwortlichen der Gemeinde die Weichen gestellt. Auch Dekan Günter Daum hat seitens der Pfarrgemeinde seine Mithilfe zugesagt. Unter den bereits bekannten Jubiläumsveranstaltungen ist für April 2003 ein Besuch der Stadt Trier mit Besichtigung der Benediktinerabtei St. Matthias geplant. Diese Abtei verwahrt unter seinen Klosterschätzen hochkarätige Zeugnisse, die an die Schenkung des Königshofes Villmar durch Kaiser Heinrich III. an das Kloster vor fast 950 Jahren erinnern.

Laut einer in Goslar ausgefertig-ten Urkunde übergab Kaiser Heinrich III. am 5. August 1053 seinen Hof Villmar an den ehrwürdigen Herrn Eberhard, Erzbischof zu Trier, mit der Auflage, mit diesem bedeutenden Besitz die Klostergüter von St. Eucharius/Matthias nachhaltig zu vermehren. Bis zur Säkularisie-rung blieb der Königshof der größte einzelne Besitz, der dem Kloster incorporiert war.

Schenkungsakt von Kaiser Heinrich III, in der Benediktiner Abteikirche,  Staurothek um 1230, Trier.

In den 60ziger Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckte man bei Erdarbeiten im südlichen Teil der Abteikirche das Grab des Abtes Reginhard, welches jahrhundertelang unbekannt war. Die gut erhaltenen Grabbeigaben verblüfften nicht nur den damaligen Abt und die Ordensbrüder, sondern auch die anwesenden Wissenschaftler. Diese Funde sind auch wichtig für die Geschichte Villmars. Schließlich wurde während der Herrschaft des Abtes Reginhard (1048 -1061) im Jahre 1053 die erwähnte Schenkung vollzogen. In seinem Grabe konnten unter anderem ein Kelch und der Stab des Abtes gesichert werden. Die Gravur in einem vergoldenem Knauf mit goldenem Knaufring: BACVLVS REGINARDI ABBATIS war für die Wissenschaftler der fundierte Beweis für die Authentizität des Fundes. Der Abtstab selbst ist ein gut erhaltener ungeschälter Haselnuss-Stock.

Stab des Abtes Reginhard (1048 -1061) in St.Eucharius/Matthias , Trier.


Kaiser Heinrich III. hatte sich ursprünglich Reliquien des hl. Matthias vom Trierer Erzbischof Eberhard erbeten. Da in jener Zeit das Apostelgrab in Vergessenheit geraten war, erhielt der Kaiser den Kopf und weitere Reliquien des hl Valerius für seine neu erbaute Pfalzkirche in Goslar. Als Gegengabe erfolgte die Übertragung des Königshofes Villmar. Drei Jahre später, im Jahre 1056, verstarb Heinrich III. Er fand seine Ruhestätte im Dom zu Speyer. Am 30. August 1900 kam dort bei Grabungs- und Bauarbeiten unter anderem der Sarg von Kaiser Heinrich III. zu Tage. Die Leiche war unberührt und in Seide eingehüllt, die größtenteils vermodert war.

Grabkrone Kaiser Heinrich III. im Dommuseum zu Speyer. Als Grabbeigabe wurde eine aus vergoldetem Kupferblech bestehende Krone, sowie ein von Leder überzogener Reichsapfel mit einem darauf befindlichen Kreuz aus Leder gefunden und gesichert.


Der Sarkophag des Toten befindet sich heute neben sieben deutschen Kaisern, Königen, Königinnen und Bischöfen in der Kaisergruft des Domes. Sein Herz aber blieb seinem Wunsche gemäß in Goslar und ist jetzt in einer Tumba in der Ulrichskapelle zu Goslar beigesetzt. Übrigens: Nach Kriegen und Bränden, später durch Abbruch der Goslarer Pfalzkirche, sind die Reliquien des hl. Valerius nicht mehr in einer Goslarer Kirche zu finden.

Ein kunsthistorischer bedeutsamer Beleg für die Schenkung des Kaisers befindet sich in der Kreuzkapelle der Mattheiser- Abteikirche. Es ist die byzantinische Staurothek um 1230 , auf deren Vorderseite eine Kreuzreliquie dominiert. Auf der Rückseite ist im unteren Teil, neben dem hl. Matthias, der Schenkungsakt durch Kaiser Heinrich III. an das Kloster in einer Gravurarbeit dargestellt. Die Gemeinde Villmar kann sich glücklich schätzen, die gut verwahrten geschichtsträchtigen Kleinode in der Benediktinerabtei in Trier bewundern zu können.

Auf ausdrücklichen Wunsch der Villmarer Kommunalpolitiker, wurde im Jahre 1955 beim Bau der Schule in der Sudetenstraße der Schenkungsakt als Fresko von Maler Josef Jost, Georgen- Born, im Treppenhaus bildlich dargestellt.
 

 

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Die „Nassauer" kämpften mit Blücher
und Wellington gegen Napoleon

von Lydia Aumüller

 

Ein Villmarer Zeitzeuge berichtet über den Kampf bei Quatre-Bras und Waterloo

Nachdem Nassau, unter der Regentschaft von Herzog Friedrich August, seinen Beitritt zur Allianz gegen Napoleon erklärt hatte, wurden hier Landwehr-Bataillone ausgehoben, die über 40 000 Mann unter Waffen stellten. In den Reihen der nassauischen Truppen befanden sich auch 59 Villmarer Männer, die gegen Napoleon kämpften, nachdem dieser im Februar 1815 von der Insel Elba zu seinem zweiten Eroberungskrieg au gebrochen war. In der Schlacht bei Waterloo war es den Nassauern zu verdanken, dass zusammen mit den Alliierten der endgültige Sieg über die Herrschaft Napoleons errungen wurde.

Zeitzeuge

Einer der Waterlookämpfer war Johann Peter Leonhard aus Villmar , der seine Erlebnisse in der Soldatenzeit, besonders den Kampf um Waterloo, um 1862 in aufzeichnete. Davon befindet sich ein 38seitiges Fragment im Besitz seines Urenkels, dem Bildhauer Ferdinand Leonhard, Eltville, der es freundlicherweise zur Auswertung einer Veröffentlichung zur Verfügung stellte.

Johann Peter Leonhard (Lehnhard) erblickte am 15. 10. 1793 als Sohn des Simon Leonhard und der Anna Maria geb. Bleul in Villmar das Licht der Welt. Er war von Beruf Steinmetz und stand von 1813 ibis 1820 in militärischen Diensten.

Er diente zunächst im 4. Regiment Nassau und war von Weihnachten 1813 bis Anfang Mai 1814 bei der Belagerung von Mainz im Einsatz. Sein Regiment zählte 2700 Mann, die in vier Bataillone eingeteilt waren. Diese wurden im September 1814 in Schierstein in einem offenen Nachen eingeschifft und in Holland kurz vor Nievell an Land gebracht. Von dort aus ging es Ende September per Fuß nach der Festung Maastricht. Hier wurden sie dem 2. Regiment Nassau zugeordnet, das den Ruf eines Garderegimentes hatte. Während der Schiffsreise kursierte das Gerücht , dass sie von Maastricht aus in die holländischen Kolonien nach Ost- und Westindien verschifft werden sollten. Aber es kam anders.

Aufruhr

In der Festung Maastricht erhielten zunächst alle ankommenden Regiments-angehörigen neue Kleidung. Doch dann folgte ein unwahrscheinlich hartes Kasernenleben, in dem die Männer wie Sklaven behandelt wurden. Freiheitsentzug, schlechtes Essen und Unterkunft bei Wanzen, Ratten und Mäusen führten zu Streitigkeiten mit den Holländern und schließlich zum Aufruhr. Dabei gab es Tote und Verwundete. Dreizehn holländische Husaren wurden von den Nassauern über die Brücke in den Maas geworfen und kamen zu Tode. Als Strafe erhielten die Nassauer Kasernenarrest, das hieß: Ausgangsverbot, schlechte Besoldung und eiskalte Unterkunft,so dass viele bis zur Erblindung erkrankten. Jeder war froh, wenn er durch einen Befehl zur Wache vorübergehend diesen Verhältnissen entkam.

Krieg

So auch Johann Peter Leonhard, der am 28. März des Jahres 1815 am Osttor der Festung Wache stand. Gegen 1 Uhr nach Mitternacht erhielt er von einem ankommenden Reiter-Kurier eine Depesche, die er sofort an die Vorgesetzten weiter gab. Sogleich ließen diese die Trommeln Alarm schlagen. Das 2. Regiment Nassau, zu dem Leonhard gehörte, mußte rüsten, um im Eilmarsch nach Charleroi , einer Festung an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich, die von Franzosen besetzt war, zu marschieren. Trotz der Strapazen waren viele froh, der „Rattenkaserne" zu entfliehen. Es kam jedoch schlimmer als erwartet. Die Anstrengungen des dreitägigen Marsches mit „Sack und Pack" kosteten bereits bis zur Ankunft in Charleroi und der Umgebung bei Odellenwall 48 Männern das Leben. In Odellenwall, 3 Stunden von Nievell, der Hauptstadt von Flandern, lagerte das Regiment vom 1.April bis zum 15. Juni 1815 im Feldquartier unter freiem Himmel. Von Gewitterregen durchnässt, stellte sich bei vielen Verdrossenheit und Mutlosigkeit ein

Das Villmarer Lied

Der kommandierende Hauptmann Ebel wollte dies beheben und befahl Johann Peter Leonhard, ein ihm bekanntes, „Villmarer Lied" anzustimmen. Man formierte eine Kompanie zu einem Kreis, und alle sangen mit Leonhard:

„Als Lazarus gestorben war, da trauerten um ihn seine Schwestern Susanna, Chatarina, Philippina, bei der Windmühl geht der Weg hinaus"...........(Anmerkung: dieses Lied war bisher in Villmar nicht bekannt).

Da es eine Art Kirchenmelodie war, kamen die Bewohner des Dorfes und entblößten ihre Häupter in der Meinung, die Soldaten hätten Gottesdienst.

Das Schlachtfeld

Doch dann wurde es ernst. Ein Kurier meldete: die „Stang brennt", das hieß, der Kampf begann. Mit geladenem Gewehr ging es im Sturmschritt auf eine Höhe, ungefähr wie vom Friedhof in Wiesbaden bis zur Platte, so Leonhard. Vor ihnen lag Quatre-Bras, eine wichtige Straßenkreuzung. Auf einer weiteren Höhe standen kampfbereit die Franzosen. Leonhard vergleicht das Schlachtfeld mir der Heimatflur

„Man stelle sich im Geiste auf die Runkeler Holzgräben, all wo man auf der Chaussee aus dem Runkeler Walde von Weilburg her kommt. Auf mittlerer Höhe der Holzgräben stand am 16.Juni 1815 die Alliierte Armee in Schlachtordnung aufgestellt. Gegenüber von uns war eine andere Anhöhe, ungefähr so ähnlich wie die Anhöhe der Horst, der Brecher Ufer, und wenn sich diese Anhöhe so fort belaufen würde bis gegen die Mitte des sogenannten Hufeldes. Auf dieser Anhöhe stand die französische Armee . Zwischen den beiden Anhöhen war die schöne ebene Fläche, wie z.B. das Brecher Loch, das Hufeld, das Villmarer Oberfeld bis in die Heiderwiese, das Runkelerfeld. Nur muß man sich das Lahnthal dahier hinweg denken. So eine schöne Ebene war das Schlachtfeld von Waterloo".

Beim Kampf waren die „ Nassauer" immer vorne, so Leonhard. In Karrees formierte sich das 2. Regiment zur Schlacht, verstärkt durch Bataillone der Oranier, der Holländer und einer Batterie Kanonen. Im Sturm ging es, bald links, bald rechts, bald vorwärts, bald rückwärts, gegen eine Übermacht der Franzosen, die neben Infanterie auch Kavallerie und Artillerie einsetzten. Es gab viele Tote, und die Soldaten mußten sich nach Odellenwall, ihrem Ausgangspunkt, zurückziehen.

Leonhard schildert eindrucksvoll weitere, blutige Kämpfe, die unter Mithilfe der englischen Infanterie, Kavallerie und Artillerie, aber auch durch den Einsatz der Schotten, Braunschweiger und Hannoveraner stattfanden .

Dazu kam das 1. Regiment Nassauer, das von Brüssel in 16 Stunden im Sturmschritt zum Schlachtfeld angerückt war. Die Franzosen konnten dadurch zurückgeschlagen werden.

Am 17. Juni 1815 morgens gegen 7 Uhr kamen zu dem Donnern der Kanonen schwere Gewitter mit Regen, so dass die Kampftruppe in wenigen Minuten bis zu den Knöcheln im Wasser stand. Sie mußten sich abermals zurückziehen und einen angeschwollenen Bach „Genap" genannt durchschwimmen. Hierbei fanden viele Soldaten den Tod. Für den weiteren Kampf erhielt jeder Mann in aller Eile 80 scharfe Patronen und neue Feuersteine. Als die Vordersten marschierten wieder die Nassauer in die Mitte des Schlachtfeldes gegen den Feind. Zehn Fuß hinter diesen standen die Kanonen der Engländer die über ihre Köpfe feuerten. Die Franzosen erwiderten ebenfalls mit Kanonenfeuer bis zum Einbruch der Dunkelheit. In der Nacht wurde das Feuer von beiden Seiten eingestellt.

Gegen 3 Uhr morgens am 18. Juni ließ das Regenwetter nach. Die Soldaten konnten Lebensmittel fassen, Feuer machen und in Kesseln Fleischsuppe kochen. Zum Essen kam es allerdings nicht, denn die Trommeln schlugen abermals Alarm.

„ Kessel ausschütten" hörte man von allen Seiten. Alle blieben hungrig, und ihre gute Suppe lag auf dem Feld. Dann ertönte das Kommando: „Erstes Bataillon vom zweiten Regiment Nassau voran". Im Sturmschritt marschierten sie zum Hofgut Hougoumont, genannt Belle Alliance, das ein Haupthaus hatte, wie das Villmarer alte Rathaus mit einem Türmchen. Das Gut lag im Zentrum des Schlachtfeldes. Sie konnten es besetzen, die Tore verschließen und sich darin verschanzen.. Vier Angriffe der Franzosen zur Eroberung des Hofes wurden von ihnen tapfer abgewehrt.

Mit Blücher und Wellington, Leonhard berichtet

„Für mich waren die Kämpfe wie der Weltenuntergang: Die Erde und der Himmel bebten. Als die Franzosen zum 5. Male Hof Hougemont angriffen und bis in die Mitte des Hofes vordrangen, begann der fürchterliche Kampf Mann gegen Mann. Bei dem unbeschreiblichen totschlagen, -stechen und -schießen dachte ich nur noch an den Tod. Als die Gefahr am allergrößten war, erschien Fürst Blücher mit seinen tapferen Preußen und fiel den Franzosen an deren rechten Flügel in die Flanke. Zur gleichen Zeit rückte Herzog Wellington mit den Engländern im Sturm auf den linken Flügel des Gegners und auf die Mitte von Hof Hougoumont. Der gemeinsame Riesenkampf gegen die Franzosen führte schließlich zum Endsieg. Bezahlt mit dem Blute vieler Toter und Verwundeter von beiden Seiten, auf dem Schlachtfeld lagen. Zurück blieb ein total zerstörtes Hofgut, dessen ehemals baumbepflanzte Umgebung dem Erdboden gleich war. Nur durch Gottvertrauen und Gebete habe ich die schrecklichen Tage der blutigen Schlachten mit Todesängsten überstanden".

Einzug in Paris

Siegesbewußt, mit geladenen Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten, marschierten die „Nassauer" durch Frankreich bis Paris, der Hauptstadt der Franzosen, die sie am 1. Juli 1815 erreichten. In den umliegenden Ortschaften lagerten sie als Siegertruppe, um sich von den großen Strapazen auszuruhen. Ihr Hauptmann Ebel, unter dessen Kommando Leonhard stand proklamierte am 30 Oktober 1815:

„Leute!, der Krieg ist jetzt zu Ende, zu dem wir seit dem 29 März d.J., als wir aus

aus Maastricht ausmarschiert sind, sehr vieles ausgestanden; wir haben Eilmärsche gemacht, Hunger und Durst, Not und Mühseligkeit aller Art ausgestanden; wir haben die großen Schlachten bei Quatre-Bras und Waterloo mitgemacht, allwo sich meine Companie besonders im Hof Hougomont tapfer ausgezeichnet hat, wovon wir alle Ehre haben. Wir haben viele von unseren Kameraden verlohren, auch viele von denselben liegen heute noch in den Hozpithälern, und müßen ihre Schmerzen ausstehen. Wir dagegen, wie wir heute noch hier beisammen, wir sind auf allerhöchsten Befehl hierher in die Ortschaften zum Einquartieren verlegt worden, um uns 4 bis 5 Wochen von unseren harten Stapazen , welche wir ausgestanden haben, uns wieder ausruhen zu können......".

Johann Peter Leonhard erhielt zusammen mit seinem besten Kameraden Johann Schmitt in einer größeren Ortschaft ein Quartier zugeteilt, das einem alten Stall ähnlich sah. Das Haus war mit Stroh gedeckt. Der Boden eines Raumes bestand aus Wackersteine. In der Mitte brannte ein offenes Feuer . Es war das Zuhause eines alten fast blinden Paares, von denen sie aber freundlich empfangen und bewirtet wurden....... Die weiteren Aufzeichnungen bis zur Entlassung aus dem militärischen Dienste und der Heimkehr nach Villmar um 1820 waren bisher nicht auffindbar.

Waterloo-Medaille

Leonhard erhielt, wie seine Kameraden die von Herzog Friedrich August gestiftete Waterloo-Medaille als Auszeichnung, die er mit berechtigtem Stolze bei einer späteren Fotoaufnahme präsentiert. Sie befindet sich noch heute im Privatbesitz.

Ehrendes Gedenken.

Dass Johann Peter Leonhard seine toten Kameraden nicht vergessen konnte, hält ein Dokument im Pfarrarchiv Villmar aus dem Jahre 1848 fest In einem dreiseitigen gedruckten Bericht mit der Überschrift: „Zuruf an die Villmarer", nennt er 59 Villmarer Kriegsbrüder namentlich , die in den Jahren 1800 bis 1815 in den Feldzügen in Deutschland, Spanien, Frankreich , besonders in der großen Entscheidungsschlacht am 16,17, und 18. Juni 1815 bei Waterloo, sowie in den Weltteilen Asien, Amerika und Australien gekämpft hatten.

Noch lebenden Krieger: am 20. Januar 1848.

Aumüller Adam, Brahm Adam sen., Kaßpari Adam, Dornuff Johann, Ewig Jacob, Flach Jacob , Geis Peter, Schreiner, Hammerschmidt Adam, Höhler Phillip, Istel Adam und Jacob, Simon Johann, Kullmann Caspar, Kasteleiner Niklaus, Flach Joh. Wilhelm, Leonhardt Heinrich, Leonhard Johann Peter, Laux Johann, Löw Christian, Stilger Jacob, Schmidt Joh, Schäfer, Schmitt Gottfried, Schmidt Jacob, Kiefer, Tuchscherer Wilhelm, Thorn Christian, Philipp Höhler, Zimmermann Johann, Weyand Johann, Schuhmacher, Way Jakob, Wagner Simon und Roth Johann zu Limburg,

Vor dem Januar 1848 gefallene und verstorbene Krieger:

Werner Johann, Caspari Anton, Caspari Gottfried, Falk Johann, Kaspari Adam Kastleiner Adam, Mallabre Gottfried und Hermann, Lenau Heinrich, Brahm Gottfried, Anton, und Simon, Fluck Simon, Dornuff Simon und Heinrich, Wagner Gottfried und Simon, Flach Johann Wilhelm, Eufinger Michael, Schneider Anton, Bleuel Gottfried, Krämer Jakob, Lindig Heinrich, Löw Jacob, Beichert Anton, Roßbach Anton vom Gladbach, Roßbach Johann, Leonhard Jacob und Dommermuth Anton.

Johann Dornuff

Unter den benannten Waterlookämpfern befand sich auch Johann Dornuff.( Dornauf, Dornof), dessen Entlassungsschein aus dem Herzoglich Nassauischen Kriegsdienst heute von seinem Nachkommen Herbert Schulze, Villmar, verwahrt wird. Johann Dornuff wurde am 6. September 1793 als Sohn des Simon Dornoff in Villmar geboren. Er war von Beruf Wagner und stand in herzoglichen Militärdiensten. Er diente vom 16 Dezember 1813 bis 9. Dezember 1819 im 2. Infanerieregiment Nassau, und ersten Bataillon der Jägerkompanie als „ braver Corporal", registriert mit der Nummer 2780. Nach seiner Entlassung aus dem Stabsquartier Breda in den Niederlanden am 7. Januar 1820 gehörte er, so das Herzoglich-Nassauische Kriegs-Collegium in Wiesbaden, ab 24.Dez.1820 zur Veteranen-Kompanie ( Johann Dornuff starb in Villmar, im Jahre 1861).

Johann Peter Leonhard bat in seinem Aufruf die 30 noch lebenden Kameraden, sowie die Angehörigen der 29 Gefallenen und in der Heimat Verstorbenen, um die Einrichtung der Stiftung eines Seelenamtes für die tapferen Krieger, das alljährlich in der Villmarer Pfarrkirche als ewiges Andenken gehalten werden sollte. Ob diese Stiftung zustande kam und wie lange sie Bestand hatte, ist nicht bekannt.

Der Patriot Johann Peter Leonhard war in Villmar eine anerkannte Persönlichkeit und über die Grenzen als außergwöhnlicher Marmor-Steinhauermeister bekannt. Nach einem erfüllten Leben starb er am 23. März 1873 mit fast 8o Jahren.


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Ein Denkmal erinnert an die Nassauer
in der Schlacht von Waterloo

Lydia Aumüller

Krieger-Denkmäler; Schon vor Jahrhunderten wurden sie errichtet zum Gedenken an die Kriegstoten,den Lebenden aber zur Mahnung. Die Mahnung jedoch wurde von vielen Machthabern weltweit wenig beachtet, International werden Machtkämpfe bis heute kriegerisch ausgefochten. Millionen unschuldige Menschen mussten dafür mit ihrem Blute bezahlen.

Darüber gibt es Kriegsberichte von Generalstäben und Historikern die in vielen Archiven festgehalten sind. . Weitaus seltener sind Aufzeichnungen eine einfachen Soldaten aus der Zeit der früheren Feldzüge. Der Bericht des Villmarer Johann Peter Leonhard, als Zeitzeuge der blutigen Schlacht bei Waterloo ist deshalb ein Dokument von einem Wert, den man sicherlich als einzigartig bezeichnen kann.

Nach seiner Rückkehr aus militärischen Diensten in den Jahren 1820 bemühte sich J. P. Leonhard 1848 mit einem Aufruf um die Stiftung eines „ewigen Seelenamtes" für die verstorbenen Waffenbüder aus seiner Heimat. Das Gedenken an lebende und verstorbene Kampfesbrüder (insgesamt 59 Personen) festzuhalten. Darin erklärte  und erwähnte er,"nach Jahrhunderten werden unsere Ur-, Ur-, Urenkel mit beflügelter Andacht zum Tempel des Herrn eilen um am 18. Juni eines jeden Jahres der Verstorbenen zu gedenken".

Denkmal aus Stein

Während den überlebenden Kämpfern von Waterloo, darunter auch dem Villmarer Peter Johann Leonhard, Orden und Ehrenzeichen verleihen worden waren, ließ Herzog Adolph in Wiesbaden am 18. Juni 1865 ein monumentales Denkmal für die um Waterloo Gefallenen des ersten und zweiten Regiments Nassau feierlich enthüllen. Seitdem befindet sich das vom Wiesbadener Oberbaurat Hoffmann gestalltete Bauwerk in der Obhut der Stadt Wiesbaden. Witterungseinflüsse haben an dem aus rotem Sandstein gefertigten Denkmal Spuren hinterlassen,. sodass die Inschriften nur mit Mühe entziffert werden können.

„Die Toten mahnen zum Frieden", so ist hier noch zu lesen. Und weiter, Ihr seit gefallen für Recht und Ehre, für die höchsten Güter, die die Menschheit kennt. Darum ist es Pflicht, die heiligste von allen, dass man der Nachwelt Eure Namen nennt.

Auf vier Seiten des monumentalen Bauwerkes sind über 344 Gefallene aus 20 Ämtern des Herzogtums Nassau namentlich eingemeißelt. Zu den Toten zählten acht Soldaten aus dem Amt Limburg und zwar J. Dillmann, G.Erbach, J. Fluck, H.Löb, A. Pistor, J. Schneider, J. Werner.

Dreizehn aus dem Amt Weilburg:

C. Bausch, J. Ernst, Th. Färber, S. Fass, C. Geisler, G. Hess, I. Hess, L. Lommel, C. Moser, P. Ochs, F. Rödig, W. Schmidt, und P. Zerb,

sowie acht Gefallene aus dem Amt Runkel:

W. Bendel, G. Fink, J. Gabb, H. Höhler, J. Schön, P. Schuy sowie Johann Werner und Anton Caspari (aus Villmar.

Die Toten mahnen, wir wollen sie nicht vergessen.


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Alte Stadtmauer der oberen Festungspforte entdeckt.
Villmarer Marmor als Baumaterial für Stadtmauer

Von Lydia Aumüller
 

Bei den Tiefbauarbeiten am 23.12.2000 waren in der oberen Peter-Paul-Str. Mauereste der alten Villmarer Befestigungsanlage gefunden worden. Zieht man den Stadtplan des Trier Baumeisters Ravensteyn vom 23. Mai 1699 zu Rate, so handelte es sich bei dem Gemäuer um eine Seite des „Zwingers", einer Verbindungsmauer zwischen dem äußeren Tor und der "obre Pfort", auch Limburger Pforte genannt. Hier hinaus führte der Weg nach Limburg der im Mittelalter die Hauptverbindungsstraße war. Das aus Kalksteinen gemauerte Fundament befindet sich in der Mitte der Straße zwischen den Anwesen Willi Müller und I. Berger Peter- Paul-Straße. Die Länge der Mauer ist nicht bekannt, da nur ein Durchbruch der ca. 1.50 breiten Mauer zur notwendigen Verlegung einer Abwasserleiters zum neugelegten Kanal in einer Tiefe von ca. 2 Metern erfolgte.

Wie sich herausstellte, bissen sich zunächst zwei kleine Bagger bei der Härte des Materials fast die Zähne aus . Selbst ein Kompressor war fehl am Platze.

Eine dritte noch größen Maschine schaffte schließlich den Rest der Tiefbauarbeit. Ein Zeugnis dafür, dass unsere Vorfahren auf stabile Grundmauern ihrer Festungsanlagen Wert legten. Möglicherweise stammen diese aus dem 13. Jahrhundert, denn erstmals wird 1250 die Stadtmauer urkundlich erwähnt. Sie wurde mehrmals zerstört und nach 1359 neu errichtet.

Neben dieser oberen Pforte hatte die Festungsmauer eine zweite Pforte zur Lahn ,sowie eine weitere in Richtung Weilburg ,genannt „Wiespforte", die ebenfalls durch einen „Zwinger" gesichert waren.

Bei zunehmendem Verfall fielen im Jahre 1819 die ehemaligen Stadttore und ein Teil der Ringmauer der Spitzhacke zum Opfer. Im Jahre 1991 bei Kanalarbeiten in der Weilburger Strasse nahe dem Wohngebäude Ch. Lottermann und der Gaststätte „Germania" ebenfalls Grundmaurreste des Zwingers der „Wiespforte" vorgefunden.

Villmarer Marmor als Baumaterial für Stadtmauer

Während die alte Stadtmauer überwiegend aus Schalsteinen erbaut wurde, fanden interessierte Beobachter der Arbeiten in der Höhe des ehemaligen „Oberen Stadttores" ,dass hier als Baumaterial überwiegend Kalkstein verwendet wurde, und zwar polierfähiger Kalkstein, der inzwischen als Lahnmarmor berühmt geworden ist. Dem Villmarer Steinexperten Gerhard Höhler ( Vorstandsmitglied des Lahn – Marmor - Museums – Verein, Villmar) schlug das Herz höher, als er die Steinquader näher betrachtete. Er stellte einige Steine sicher, schnitt, schliff und polierte diese und stellte fest, dass es sich um herrlichen dunkelgrauen Marmor mit Sedimenten, Seelilien und Korallen handelte.

Der Steinfachmann Gerhard Höhler, Villmar (rechts) übergibt Bürgermeister Hermann Hepp den von ihm polierten Marmorstein.

Gerhard Höhler erklärte,: Der Werkstoff ist identisch mit dem in Villmar bekannten Marmor „Kissel" und stammt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus dem Bruchgebiet „Kissel" in dem bis Mitte des 20. Jahrhunderts Kalkstein gewonnen wurde". Inzwischen sind diese Brüche verwaist und von Gestrüpp überwuchert. Sie befinden sich an der linken Lahnhöhe, von der König- Konrad- Halle flussabwärts in Richtung Runkel .

Da Einzelheiten über den Bau der Stadtmauer nicht bekannt sind, kann nicht festgestellt werden, ob es ein Zufall ist, dass das obere Stadttor aus Kalksteinen gemauert wurde, oder ob man bewusst an dieser kritischen Stelle das härtere Baumaterial verwendet hat.

Aus alten Chroniken war bisher bekannt, dass um 1505 eine" Kalkkauth" im Gemeindegebiet vorhanden war und um 1605 bunter Marmor in Villmar und grauer in Arfurt gebrochen wurde. Steinkreuze aus grauem Marmor wurden im 17., 18. und 19. Jahrhundert auf dem Friedhof an der Kirche aufgestellt .

„Die jetzt gemachte Entdeckung ist für die Geschichte Villmars sensationell", so Hermann Hepp, Bürgermeister und Vorsitzender des Kuratoriums Lahn- Marmor- Museum- Verein" Villmar. Daher habe er die maßstabgerechte Aufzeichnung dieses Bodenfundes durch das bauleitende Ingenieurbüro veranlasst.
Schließlich legen die alten Steine Zeugnis davon ab, dass wahrscheinlich bereits um 1250, spätestens aber 1359 bei der Errichtung bzw. Wiederherstellung der Festungsanlage Kalkstein in hiesigen Brüchen gezielt gewonnen wurde.
Der jahrhundertelange Abbau und die Verarbeitung dieses Gesteins, aus mehr als 12 Brüchen rechts und links der Lahn, haben später den Ruf Villmars als Marmormetropole weit über die Landesgrenzen hinaus geprägt.


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